Foto:KPJ
Aufgenommen anlässlich seines letzten Auftritts mit dem AutorenNetzwerk Ortenau-Elsass in der Mediathek Oberkirch.
Paul Güde
bei SWR4
"Kreative Köpfe"
im Interview mit Irene Merkel
Paul Güde
Badischer Poet
und
Gründervater der badisch-elsässischen Kulturtage "Novemberlicht"
Foto Manuela Bijanfar
Persönliches
Paul Güde, Jahrgang 1942,verstarb am 27. Dezember 2019 im Alter von 77 Jahren in Bühl. Seine letzte Ruhe fand er auf dem dortigen Friedhof.
Noch mehr Persönliches
Von Beruf Gutsverwalter und Agrar-Ingenieur auf dem Aspichhof oberhalb von Ottersweier, war Paul Güde nicht nur ein leidenschaftlicher Streiter für die Unabhängigkeit Badens, sondern als waschechter Alemanne auch aktiver Widerständler gegen das geplante Atomkraftwerk Whyl. Dort, im Verbund mit den ebenfalls Widerstand leistenden elsässischen Liedermachern René Egles und Walter Mossmann, brach nicht nur der zeitlebens politisch hoch motivierte und engagierte Bürger sondern auch der Künstler in ihm durch.
Paul Güde war Mundart-Dichter und Mundartgeschichten-Erzähler durch und durch. Seine Geschichten im badischen Dialekt handeln vom Leben im badischen Land und drehen sich nicht selten um die Menschen, mit denen er als Verwalter auf dem Hofgut Aspichhof sein Leben und gemeinsame Erfahrungen teilte. Seine Geschichten mit wahrem Kern und träumerisch-philosophischer Note lassen alte Zeiten aufleben und knüpfen an die Tradition früherer Erzählabende des "z'Licht Gehens" an.
Paul Güde ist Ehrenmitglied im Autorennetzwerk Ortenau-Elsass.
Künstlerischer Werdegang
Paul Güde sagte von sich:
"Das Erzählen war mir nicht gerade in die Wiege gelegt, aber immerhin galt ich schon früh in meiner Kindheit bei meinen Geschwistern als Geschichtenerzähler, sogar ganz positiv, indem mir auch die älteren Geschwister ausdauernd zuhörten.
Irgendwann in den siebziger Jahren verfiel ich auf meine alte Kunst, Geschichten zu erzählen, nachdem ich mich zuvor als aufmüpfiger Liedermacher versucht hatte. Es war in der „Wyhler“ Zeit, als Bauern und Studenten einträchtig und erfolgreich ein Atomkraftwerk verhinderten.
Damals lernte ich viele Liedermacher auch aus dem benachbarten Elsass kennen und knüpfte Freundschaften, die bis heute dauerhaft sind.
Eigentlich musikalisch minderbegabt, ließ ich bald das Liedermachen und betätigte mich als freier Erzählender in mittelbadischer Mundart.
Inzwischen hatten meine Erzählungen einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht, so dass gelegentlich Abende in unserer Region, meist zusammen mit elsässischen Künstlern, angeboten wurden.
Über viele Jahre wirkte ich bei der Weihnachtssendung vom unvergessenen W.O.Feißt als Erzähler mit und bestritt über zwei Winter mit über 30 Geschichten das „literarische Betthupferle“ im SWR.
Zwischendrin fielen als auch regionale Kulturpreise für Mundart ab.
Die altertümliche Form des Erzählens ist in meinen Augen auch ein Stück Gesprächskultur, indem der Erzähler und seine Zuhörerschaft sich anregen und begeistern können.
Ich hatte ja das Glück, fast 40 Jahre lang als Gutsverwalter den Aspichhof zu leiten, dessen Hauptaufgabe ist, mit Behinderten zusammen Landwirtschaft zu betreiben.
Es ist ja doch eine besondere kleine Welt, eine Art Mikrokosmos, wie man es so wohl kaum ein zweites Mal findet. Da gibt es so viel zu beobachten, da gibt es soviel überraschende Einsichten, heitere und auch manchmal traurige Begebenheiten. Und immer liegt auch ein Stück Poesie zwischen den Alltäglichkeiten. Die Melancholie, wenn die Schwalben fort sind und die frohe Erleichterung, wenn sie wiederkehren. Die majestätischen Bäume, die uns so treu und dauerhaft begleiten. Und vor allem die Menschen am Hof. Was gibt es da für heitere, manchmal auch tiefsinnige Begebenheiten, und wie viel Größe versteckt sich oft hinter den behinderten Bewohnern des Hofes. Wie tröstlich ist es da zu entdecken, dass auch sogenannte Normale ihren Sparren haben, wie die wohlmeinende Lehrerin, welche die Kälber partout mit der Hand melken wollte. Verrückte, aber wahre Geschichten sind auch dabei, wie der Eberkauf in Straßburg.
Kurzum, ich wollte einfach zusammenfassen, was in dieser langen Zeit an kleinen Geschichten mir zugewachsen ist. Es war mein Ehrgeiz, vordergründig Unscheinbares anzuleuchten und damit ein wenig zum Glitzern zu bringen."
Nachruf:
Paul Güde war uns ein hoch geschätzter Kollege und Freund.
Seine Geschichten, die er mit warmtoniger, basslastiger Stimme frei und ohne Konzept vorzutragen pflegte, ließen niemanden unberührt. Mit Humor und Herz aus reichem Lebenserfahrungsschatz geschöpft, zeigten sie nicht nur die Menschen, von denen sie handeln, sondern auch den Autor und Erzähler selbst.
Wir sind froh, Paul Güde gekannt und oftmals gehört zu haben.
Als Gründungsmitglied war er in der ersten Jahren unseres AutorenNetzwerks aktiv und gestaltete so manchen unserer Auftritte mit seinen Erzählungen mit.
Gesundheitliche Gründe zwangen ihn zuletzt in den Rollstuhl und von der Bühne. Doch blieb er uns als Ehrenmitglied erhalten.
Wir werden immer wieder gern an Paul Güde denken und freuen uns, dass uns seine Geschichten und seine Stimme auf CDs und im Druck erhalten geblieben sind.
Veröffentlichungen
CDs:
S Lebe halt
Zwische Herbst un Wihnachde
Buch:
Ich riech nix.
Paul Güde erzählt eigene Geschichten vom Aspichhof.
Gitarre, Grafik und Illustration Andreas Güde
Paul Güde erzählt eigene Geschichten von Wein und Reben, von dem, was überm Nebel ist, von Martinsgänsen und Nikolausesel, von Baumfrevel und Stallweihnacht, von badischer Wihnachtszit und ihren schönen Liedern.
Gitarre, Grafik und Illustration Andreas Güde
Prämierte Mundart-Texte aus der Region zwischen Rhein, Odenwald und Schwarzwald
Nur mehr antiquarisch erhältlich.